0 image description VERANSTALTUNGEN, 6, Oktober 2013

AGILES PUBLISHING

Informationen werden immer flexibler konsumiert und unsere Kunden erwarten Inhalte, die spannend, aktuell und auf allen Kanälen verfügbar sind.

Die typischen Publishingprozesse sind dafür nicht mehr geeignet, denn sie arbeiten nach dem sogenannten Wasserfall-Prinzip: Ein Schritt nach dem anderen wird abgearbeitet. Die Phasen und Abteilungen sind klar voneinander abgegrenzt. Nach jeder Phase wird ein Zwischenstand an den Nächsten im Prozess übergeben, die anderen Teams warten solange. Wasserfallprozesse sind aus der Print-Produktion gelernt, und wurden 1:1 auf digitale Medien wie Websites oder Tablet-Magazine übertragen: Es wird zuerst konzipiert, dann gestaltet, danach programmiert und zum Schluss mit Inhalten versehen.

Die daraus resultierenden Probleme sind prozessbedingt, denn der jeweils vorgelagerte Prozessschritt (z.B. die Planung) muss für alle nachgelagerten mitdenken und Schwierigkeiten (z.B. in der Programmierung) voraussehen. Meist werden aber Probleme erst dann erkannt, wenn es an die konkrete Umsetzung geht. Und je später ein Fehler entdeckt wird, desto aufwändiger wird es, ihn zu beheben.

Das schlimmste ist aber, dass Wasserfallprozesse meist langsam sind. Wenn wir meinen „fertig“ zu sein, ist der Markt schon wieder einen Schritt weiter. Wir sollten uns aber daran gewöhnen, dass wir in der Medienproduktion nie „fertig“ sind. Wir brauchen daher einen anderen Prozess im Publishing – einen der Veränderungen am Markt antizipiert und in der Lage ist flexibel darauf zu reagieren.

Und genau das leisten agile Prozesse.

Agile Prozesse sind in anderen Branchen schon lange etabliert und erprobt. Es wird Zeit, dass wir von diesen Erfahrungen profitieren und sie auf das Publishing adaptieren: So gibt es in agilen Prozessen kein Lastenheft mehr. Stattdessen beschreibt eine Vision knapp aber verständlich wohin die Reise geht und wo die Vorteile für den Nutzer liegen. Alle konkreten Anforderungen werden als User Stories formuliert. Eine Userstory ist ein einziger Satz, der kurz beschreibt, was der Nutzer machen möchte und welchen Vorteil er daraus zieht.

Und dann beginnt die Umsetzung: Es wird ein fester Zeitrahmen definiert, ein „Sprint“, der z.B. eine Woche dauert. Danach werden die User Stories, die innerhalb dieses Sprints umgesetzt werden sollen, ausgewählt. Ziel ist es, dass am Ende des Sprints ein fertiges, veröffentlichbares Publishing-Produkt steht. Danach beginnt ein neuer Sprint mit den nächsten User Stories. Jeder Sprint führt näher zur Vision. Die User Stories werden dabei laufend erweitert und angepasst.

Und innerhalb des Sprints? Da wird komplett anders gearbeitet als bisher: Alle Fachdisziplinen arbeiten gleichzeitig an der Erfüllung der User Stories. So entstehen ein intensiver Austausch zwischen den Disziplinen und eine unmittelbare, offene Form der Kommunikation.

Sie wollen wissen, wie das in der Praxis funktioniert? Wie mit agilen Prozessen Printprodukte, Tablet-Magazine oder Websites produzieren können? Wie dabei nicht nur die Bedürfnisse Ihrer Nutzer in das Zentrum rücken sondern auch die Freude an der eigenen Arbeit steigt und unterm Strich bessere Publishing-Produkte entstehen? Die Events am 7. November in Zürich und am 11. November in Bern geben Antworten auf diese Fragen. Sie sehen, wie Sie mit kleinen Schritten grosse Veränderungen erreichen können.

Georg Obermayr, Autor Agiles Publishing und Leiter Crossmedia Produktion in einer Agentur in München.

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