0 image description TECHNIK, 8, Januar 2014

JDF 1.5 OFFIZIELL FREIGEGEBEN

Schauen wir uns die Neuerungen in JDF 1.5 nun etwas genauer an. Bevor Aufträge auf Sammelformen gedruckt werden können, müssen in einem automatisierten Arbeitsablauf einige Voraussetzungen erfüllt sein. Zunächst müssen die Einzelaufträge auf den Druckbögen platziert werden. Hierzu werden ähnliche Aufträge zusammengefasst und auf dem Druckbogen verteilt. JDF beschreibt für die einzelnen Kundenaufträge technische Einstellungen, wie Papiersorte, Auflage und Farbigkeit aber auch betriebswirtschaftliche Daten, wie Liefertermin und Kunde mit denen ein Sammelformersteller den optimalen Druckbogen erzeugen und beschreiben kann. Die Beschreibung des Druckbogens muss sowohl an die Produktion zur Plattenerstellung und Steuerung des Drucks und der Nachverarbeitung als auch zurück an die Branchensoftware (MIS – Management Informations-System) damit die anfallenden Produktionskosten zur Nachkalkulation auf die einzelnen Kundenaufträge verteilt werden können. Für die Druckbogenbeschreibung wurde dasselbe Format gewählt, mit dem MIS seit JDF 1.3 Ausschießschemata an die Vorstufe übergeben. Somit können Sammelformen sowohl im MIS als auch in der Vorstufe erstellt werden.

Das automatisierte Ausschiessen variabler Aufträge, z.B. mit PDF/VT wurde bereits in JDF 1.4 eingeführt. Die vollständige Beschreibung eines variablen Auftrags einschließlich der Nachverarbeitung benötigt jedoch einige Neuerungen, die erst mit JDF 1.5 eingeführt wurden. Hierbei sind hauptsächlich Aufträge betroffen, bei denen, z.B. auf Grund variabler Seitenanzahl pro Exemplar, die Nachverarbeitung ebenfalls variabel ist. Da die Datenmengen bei hoher Auflage sehr groß sein können und teilweise nicht einmal vor dem Drucken bekannt sind, müssen die Informationen während der Auftragsverarbeitung in kleinen Datenpaketen übertragen werden. In durchgehenden Fertigungsstraßen kann diese Anbindung elektronisch erfolgen. Hierzu gibt es das an JDF angelehnte JMF Format, bei dem einige Details verbessert wurden, um alle benötigten Informationen, wie z.B. Bogenanzahl pro Exemplar zu übertragen. Weiterhin können Metadaten, wie Adressen und Kundennummer für Vollständigkeitsüberprüfungen oder Frankiermaschinen übertragen werden. Nachverarbeitung erfolgt häufig in getrennten Arbeitsschritten, so dass eine elektronische Anbindung nicht ausreicht. Hier müssen die Metadaten auf den Druckbögen gespeichert sein, was typischerweise mit Barcodes geschieht. JDF 1.5 erlaubt es, den Inhalt der Barcodes als Vorlage abzuspeichern, so dass das Format der Barcodes einmal im JDF übertragen wird und die Inhalte flexibel ausgelesen werden können. Der dritte größere Veränderungsbereich befindet sich im Umfeld Web To Print. Immer mehr Aufträge entstehen in Web To Print Portalen im Internet. Der Endkunde, der diese Portale bedient ist typischerweise weder ein Experte noch kennt er den Produktionsablauf in der Druckerei. Somit wird er eine Beschreibung des gewünschten Endproduktes, Liefertermin und -Adresse und Zahlungsinformationen liefern können aber keinerlei Produktionsdetails. Die CIP4 Organisation pflegt eine Schnittstelle – PrintTalk – die genau diesen Bereich, also die Schnittstelle von Web To Print Portal zu MIS und Produktion, abdeckt.

Im Rahmen von JDF 1.5 wird auch PrintTalk auf die Version PrintTalk 1.5 erweitert. Hierbei wurde die Beschreibung von Warenkörben mit mehreren Einzelbestellungen, von denen nicht alles Drucksachen sein müssen, eingeführt. Zusätzlich zu PrintTalk 1.5 gibt es Bestrebungen PrintTalk und die darin enthaltene Produktbeschreibung zu vereinfachen, damit auch Hersteller, die nicht in der grafischen Industrie beheimatet sind, mit generischen XML Werkzeugen PrintTalk 2.0 erstellen können. Zusätzlich zu den drei oben genannten Bereichen wurden an vielen Detailverbesserungen gearbeitet, wie z.B. der Rückmeldung von Arbeitsgängen, das Aufrollen im Druck von Rolle zu Rolle, Medien für den Breitformat Inkjet Druck etc. Hierbei wurde ein klares Augenmerk darauf gelegt, Erweiterungen so vorsichtig wie möglich aber so flexibel wie nötig zu gestalten.

Dr. Rainer Prosi, Chief Technical Officer CIP4 und Senior Dadaist Heidelberg
Quelle: Agfa Graphics Newsletter, Januar 2014

publishingNETWORK ist Mitglied bei CIP4 und kann ihnen durch das Experten-Netzwerk einen engen Kontakt zum aktuellen Geschehen, unabhängig davon, ob es um die Sichtung von Trends im technologischen Bereich oder um die Entwicklung von Technologie-Standards geht, gewähren. Das englische PDF-Dokument der JDF 1.5 Version können Sie auf der Geschäftsstelle von publishingNETWORK per Mail: info@publishingnetwork.ch bestellen.

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