0 image description NEWS,TECHNIK, 5, September 2015

So fotografiert die Schweiz

Mit welchen Kameras werden am meisten Fotos geschossen? Erstmals wurde ein Fotoreport aus Millionen von Bilderdaten erstellt – sie zeigen, wie die Foto-Schweiz tickt.

Für die Fotobranche bedeutete der Wandel zum Digitalen eine grosse Herausforderung. Manche Firma wie der einst unbestrittene Kamera-Markt-führer Kodak verschlief ihn und musste die Fabriktore schliessen. Umso erstaunlicher, dass das 1961 gegründete Familienunternehmen Ifolor in Kreuzlingen überlebte.

Auch wenn der Löwenanteil der heutigen digitalen Bilderflut nie eine Materialisierung als Fotobuch, Papierabzug, Puzzle oder Tasse erfährt, kurbelt sie das Geschäft der Fotolabore an. «Noch nie wurden in Kreuzlingen seit der Gründung 1961 so viele Bilder verarbeitet wie heute», sagt Ifolor-Chef Filip P. Schwarz.

Sicher ist: Die digitale Fotografie bedeutet nicht nur mehr Bilder, sondern auch einen neuen Reichtum an Informationen, die mit dem Auge nicht sichtbar sind. Sie liefern Zugang zu unglaublich vielen Kontextinformationen, die in den sogenannten Metadaten jedes Bildes stecken. Diese erzählen, wann und wo ein Bild geknipst wurde, mit welchem Kameramodell, und welche Brennweite, Lichtempfindlichkeit oder Belichtungszeit der Fotograf gewählt hatte.

Ifolor hat erstmals einen «Schweizer Foto­report 2015» erstellt und anonymisierte Metadaten von insgesamt 6,2 Millionen Bildern analysiert. Das 1961 gegründete Familienunternehmen, das sich zusammen mit  dem deutschen Konkurrenz-Anbieter Cewe etwa 90 Prozent des hiesigen Fotomarktes teilt, will so «ein Abbild der Schweizer Fotografie-Landschaft von Privatpersonen» liefern. Ganz so heiss gegessen wird zwar nicht, dennoch zeigt der Report, welcher der «SonntagsZeitung» und dem Datenblog vorliegt, ein paar interessante Erkenntnisse.
So verrät ein Blick auf die Rangordnung der Kamerahersteller, dass Canon-Fotografen am meisten Bilder bei Ifolor verarbeiten lassen – jedes vierte wurde mit einem Apparat der Japaner geschossen. Dahinter folgt der Smartphone-Hersteller Apple, der sich mit der Klassikerin Nikon ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefert. «Seit in den Smartphones immer bessere Kameras stecken, nimmt die Zahl von Handybildern bei uns zu», sagt Filip Schwarz, Ifolor-Chef in der 3. Generation.

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Das Smartphone ist bei den verwendeten Kameramodellen zügig auf dem Vormarsch. Einzig mit der Spiegel­reflexkamera, kurz DSLR, wurde noch öfter fotografiert. Das könnte sich bald ändern. «In Zukunft werden Hobby­fotografen nur noch mit dem Smart­phone fotografieren», ist Schwarz überzeugt. Daneben überlebe einzig die Königsklasse Spiegelreflex, die weiterhin von Profis genutzt werde.

Dass nicht einmal zwei von hundert Fotos bei Ifolor mit einer kompakten Systemkamera aufgenommen wurden, überrascht. Die jüngste Kameraklasse scheint trotz ihrer hohen Attraktivität (Wechselobjektiv, herausragende Bildqualität bei wenig Gewicht) kaum in den hiesigen Haushalten zu finden zu sein. Sie ist wohl schlicht zu teuer.

Jedes dritte ausgewertete Bild stammt heute aus einem Smartphone, Tendenz stark steigend. Interessant ist, dass 70 Prozent all dieser Handyfotos mit einem Gerät von Apple geknipst wurden und nur jedes vierte mit einem Samsung-Handy, obwohl die koreanischen Smartphones heute gemäss Weissbuch 2014, dem ICT-Markt­report Schweiz, verbreiteter sind als iPhones. Ifolor-Chef Schwarz führt diesen Umstand auf unterschiedliche Markenpersönlichkeiten zurück: «Studien belegen, dass Apple-Anwender spendabler sind als Android-Kunden. Sie lassen sich auch das Festhalten ihrer Erinnerungen mehr kosten.»

Zu den Spiegelreflex-, Kompakt-, Bridge- und Systemkameras sowie Smartphones sind neu die Action-Cams dazugekommen. Die kleinen, leichten Videokameras, die sich an Helme heften lassen und teils unter Wasser filmen können, haben sich zu einem beliebten Gadget der jungen Generation gemausert. Ein Brückensprung, eine rasante Talfahrt mit dem Skateboard – die Go Pro, wie die populärste Marke heisst, ist dabei. In den letzten Jahren wurden hierzulande mehr als doppelt so viele Action-Cams abgesetzt wie 2012. Damals gingen laut Branchenverband Swico 37 000 Stück über den Ladentisch, 2014 allein schon 88 000. Im Ifolor-Labor machen Go-Pro-Schnappschüsse knapp ein Promille aus.

Methodik
Ifolor verfügt jährlich im letzten Quartal des laufenden Jahres über die grösste und repräsentativste Datenmenge. Dies sind zwei Drittel der Gesamtmenge an verarbeiteten Fotos von Kunden. Die Basis der diesem Fotoreport zugrundeliegenden Erkenntnisse zum Thema «So fotografiert die Schweiz» sind die Exif-Daten von insgesamt 6,2 Milllionen verarbeiteten Bildern aus dem vierten Quartal 2014. Bei den Exif-Daten handelt es sich um anonymisierte Daten, die keinerlei Rückschlüsse auf private Informationen der Kunden oder auf deren fotografierte Motive zulassen.

Exif ist die offizielle Abkürzung für «Exchangeable Image File Format» – ein ursprünglich japanischer Industriestandard und mittlerweile ein Standardformat für das Abspeichern von Metadaten in digitalen Bildern. Exif-Daten werden direkt in die Bilddatei der Formate JPEG oder TIFF geschrieben und im sogenannten Header (Bereich am Anfang der Bilddatei, noch vor den eigentlichen Bildinformationen) gespeichert.

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Aus einem Blog-Beitrag des Tages-Anzeiger vom 23. August 2015

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